Michael Weingarten: Liberalismus der Furcht und Republikanismus

Judith Shklars Auseinandersetzung mit Hannah Arendt

Mittwoch, 24. Juni 2020, 19:00 Uhr
STIFTUNG GEISSSTRASSE 7, STIFTUNGSSAAL, 1. STOCK

Sowohl für Ralf Dahrendorf als auch für Judith Shklar war der Republikanismus Hannah Arendts ein herausfordernder Stachel für ihr jeweiliges Verständnis von Liberalismus. Shklars kritische Diskussion von Überlegungen Arendts ermöglichte ihr eine Minimalbestimmung von liberaler Gesellschaft: Liberal sei eine Gesellschaft dann, wenn sich niemand in ihr zu fürchten brauche. Einer solchen Minimalbestimmung hätte Arendt sicherlich zustimmen können, aber damit sei noch lange nicht ermöglicht, was das Kernanliegen Arendts war: in Freiheit frei zu sein. Ob Judith Shklar von ihrer Liberalismus-Konzeption auch eine solche Zielperspektive hätte akzeptieren können, soll in der Veranstaltung diskutiert werden.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe

Aktive Bürgerschaft – Der Republikanismus als Stachel im Fleisch liberaler Gemeinwesen

Herrschte 1989 die Zuversicht, dass nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten weltweit das Zeitalter der liberalen Demokratie eingeleitet worden sei, erwies sich diese Erwartung sehr schnell als Illusion. Denn kein einziges der schon vor 1989 existierenden Probleme liberal-demokratischer Staaten erwies sich als gelöst. Im Gegenteil: Die Krise der Lohnarbeitsgesellschaft, die damit verbundenen Wirtschaftskrisen, die ökologische Krise verschärften sich und mit Kriegen und Fluchtbewegungen, wachsenden populistischen und rechtsextremen Bewegungen und entsprechenden Parteien kamen Probleme hinzu, auf die die Staaten bis heute politisch nur hilflos reagieren. Lesen Sie hier weiter.

Michael Weingarten moderiert und begleitet die Diskussion inhaltlich. Er studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Politik und Soziologie in Marburg und Frankfurt/Main. 1989 promovierte er in Philosophie zu Grundproblemen der Evolutionstheorie. Seit 1989 ist er Lehrbeauftragter im Fach Philosophie an der Universität Marburg. Von 1980 bis 1999 arbeitete er in der Arbeitsgruppe Kritische Evolutionstheorie am Forschungsinstitut Senckenberg. 2002 war er wissenschaftlicher Leiter des TheorieLabors an der Universität Jena. Bis 2019 war er Dozent für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium (EPG) als Teil des Lehramtsstudiums in Baden-Württemberg an der Universität Stuttgart.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte der Biowissenschaften, Hermeneutik und Sozialphilosophie.

Eine Veranstaltungsreihe der Stiftung Geißstraße zusammen mit dem Hannah-Arendt-Institut für politische Gegenwartsfragen Stuttgart

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