Erinnerung an den Brandanschlag auf die Geißstraße7

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16.03.2022

Am 16. März 1994, heute vor 28 Jahren, stand das Haus Geißstraße in der Stuttgarter Altstadt in Flammen. 7 Menschen starben, viele wurden verletzt und traumatisiert.
Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten, dass die die Tat eines gewissen Andreas H. war. Der wegen Brandstiftungen mehrfach auffällige und dafür verurteilte Täter befindet sich noch heute in Sicherungsverwahrung.
Die Stiftung Geißstraße hat nach dem Brand das Haus übernommen und wieder aufgebaut. Sie nimmt dort Menschen mit Wohnbedarf für begrenzte Zeit auf, gleich welche Herkunft, Nationalität oder Religion sie haben.
Rassismus ist eine der schlimmsten und folgenreichsten Ideologien. Völlig zu Recht wird sie in gerade diesen Tagen thematisiert und bekämpft. Die Stiftung Geißstraße hat sich deshalb die Frage gestellt, ob der damalige Stuttgarter Brandanschlag der blutigen Reihe von Anschlägen in Mölln, Rostock-Lichtenhagen oder des sog. NSU zugeordnet werden muss. Wir haben alle verfügbaren Dokumente und Urteilsbegründungen gesammelt und ausgewertet – werden sie auch als Buch publizieren.
In Stuttgart gab es Anfang der 90er-Jahre durchaus fremdenfeindliche Straftaten. Der Verfassungsschutz meldete 150 Skinheads und 250 Neonazis im Stadtgebiet.
Der Brandstifter hatte zu dieser Szene aber keine Kontakte, keine Kenntnis von der Nationalität der Bewohner*innen des Hauses Geißstraße 7 und war zeitweise mit einer Nichtdeutschen verheiratet.
Er legte auch nach 16.3.94 weitere Brände in Esslingen. Es gibt von ihm keine ideologischen oder politischen Äußerungen. Er wiederholte oft, es sei ihm immer nur “ums Feuer” gegangen.

Den eigentlichen Skandal sehen wir im verantwortungslosen Umgang mit der Immobilie: Teuer verpachtet, noch teurer unterverpachtet, ohne Vertrag vermietet an 52 meist nichtdeutsche Mieter*innen (heute maximal 15), ohne Genehmigung umgebaut, brennbares Material im Treppenhaus. Wo alle nur auf Gewinn und Pacht schauen und niemand Verantwortung übernimmt: Da blühen Ausbeutung, Menschenverachtung und Rassismus.