Von der Psychologie zur Neurobiologie
Tagung
Ohne intuitives Verstehen und ohne die Fähigkeit zur Empathie wäre menschliches Zusammenleben schwer vorstellbar. Während wir Mitgefühl und emotionale Ansteckung als selbstverständliche Phänomene des Alltags erleben, blieb bis vor kurzem völlig unklar, wie Empathie eigentlich “funktioniert”. Mit Recht monierte der prominente Anthropologe Frans de Waal kürzlich “It took science a long time to take empathy seriously”. Mit der Stuttgarter Tagung wollen wir diesem Wort de Waals gerecht werden: Wir wollen das Phänomen der Empathie ernst nehmen und es – zusammen mit einer Reihe von Fachleuten – von verschiedenen Seiten her beleuchten. Die Tagung soll jedoch keine Expertenrunde sein, sondern die Hintergründe von Mitgefühl und Empathie einem breiten Kreis von interessierten Nichtfachleuten zugänglich machen.
Wissenschaftliche Leitung: Professor Dr. Joachim Bauer
Gesamtleitung: Pfarrer Helmut A. Müller, Leiter des Bildungszentrums Hospitalhof
Tagungsbeitrag: € 65, Frühbucher € 60. Schriftliche Anmeldung erforderlich, Kurs Nr. K 910
Hospitalhof/Evang. Bildungswerk
Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart
Frau Roller: Tel. 0711-2068-150
E-Mail: info@hospitalhof.de
www.hospitalhof.de
Bitte melden Sie sich frühzeitig an. Es gelten die Anmeldebedingungen des Bildungszentrums Hospitalhof. Wenn Sie nicht zu der kompletten Tagung kommen können, können Sie einzelne Tagungsbeiträge besuchen. Karten erhalten Sie vor Beginn der Vorträge bzw. der Podiumsdiskussion für
€ 8 /€ 7 bzw. € 10/€ 9 für den Festvortrag.

Freitag, 26. Januar 2007, 18-20 Uhr Festvortrag
Empathie und Spiegelneuronen: Evidenz aus Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren
Dr. Giovanni Buccino, Universita’ di Parma, Istituto di Fisiologia Umana, dem Labor von Professor Rizzalotti, dem Entdecker der Spiegelneuronen. Herr Dr. Buccino spricht deutsch.
Kostenbeitrag: € 10/ € 9
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Samstag, 27. Januar 07, 9 Uhr
In den Schuhen des anderen
Verstehen und Empathie aus philosophischer Sicht
Funktioniert das Verstehen anderer Menschen genauso wie das Verstehen von Zusammenhängen in der unbelebten Natur? Die Debatte um diese Frage hat in der Philosophie eine lange Tradition. Menschen berufen sich auf die Wünsche und Überzeugungen, Ziele und Absichten ihrer Mitmenschen, um sich einen Reim auf deren Verhalten zu machen, und sie sind damit in aller Regel erfolgreich. Wie sie dies tun, ist nicht leicht zu beantworten. Durch eine in den 1980er Jahren in der Primatologie begonnene Debatte um die Rolle von Simulation und Theoriegebrauch in der Alltagspsychologie und neue Erkenntnisse der Neurowissenschaften zeichnet sich nun ein neues Bild vom Verstehen des anderen ab, in dem Empathie und das imaginäre Wandern in den Schuhen des anderen eine große Rolle spielen.
Dr. Manuela Lenzen, Philosophin, Autorin, Projektassistentin der Forschungsgruppe Embodied Communication, Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld
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Samstag, 27. Januar 07, 10 Uhr
In die Welt finden: Wie kommen Mutter und Kind am Beginn des Lebens in Kontakt?
Die Frühentwicklung der intersubjektiven Bezogenheit zwischen dem Säugling und seinen primären Bezugspersonen hat in den letzten Jahren neben den Konzepten der klassischen Bindungstheorie zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie wurzelt im Zusammenspiel von erstaunlichen Kommunikationsfähigkeiten des menschlichen Neugeborenen und komplementär darauf abgestimmten intuitiven Kommunikationsfähigkeiten seiner Eltern. Sie bildet die Matrix für die Entwicklung der Empathie um die Mitte des zweiten Lebensjahres.
Professor Dr. med. Mechthild Papoušek, Eltern-Säuglings-Psychotherapeutin, Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin, Universität München.
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Samstag, 27. Januar 07, 11.30 Uhr
Erkenne den anderen wie dich selbst
Zur Entwicklung von Empathie und “Theory of Mind”
Das Verständnis für seelische Vorgänge entwickelt sich in zwei Etappen: als Empathie auf der Basis emotionalen Mitempfindens im zweiten Lebensjahr und als rationale Perspektivenübernahme auf der Basis einer Theory of Mind im vierten Lebensjahr.
Professor Dr. Doris Bischof-Köhler, Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der LMU München
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Samstag, 27. Januar 07, 13.30 Uhr
Wenn die Welt fremd wird: Empathieverlust durch Trauma
Traumata behindern die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen, lassen nach fremden Einflüssen auf das eigene Schicksal suchen und erschüttern das eigene Selbst- und Weltverständnis fundamental.
Professor Dr. Gottfried Fischer, Direktor des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität Köln
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Samstag, 27. Januar 2007, 14.30 Uhr
Neurobiologische Korrelate emotionaler Vorgänge
PD Dr. Andrea Kübler, Diplom-Biologin, Diplom-Psychologin, Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie, Universität Tübingen
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Samstag, 27. Januar 07, 16 Uhr
Intuition und Verstehen im Alltag und in der psychotherapeutischen Arbeit
Zwar würde wohl niemand bestreiten, dass das, was der Arzt oder Therapeut an seinem Patienten wahrnimmt, mehr ist als Informationen, die sich Laboranalysen, apparativen Befunden oder aus ausgefüllten Fragebögen ergeben. Allerdings würde es den meisten wohl schwerfallen, zu benennen, worauf das beruht, was gute Ärzte oder Therapeuten an ihrem Patienten intuitiv erfassen. Was sich dem einfühlsamen Arzt oder Therapeuten mitteilt, liegt oft gerade jenseits dessen, was der Patient sagen kann, z. B. weil es um Fragen geht, die den Patienten bedrücken, ihm Angst machen oder die mit Scham besetzt sind. Hinweise auf solche verdeckten Botschaften des Patienten ergeben sich meistens aus diskreten körpersprachlichen Zeichen. Sie zu lesen und ihre Botschaft in sich selbst zu spüren, ist die Kunst des guten Arztes und Therapeuten. Das neurobiologische Format für intuitive Wahrnehmungen in der Beziehung zwischen Arzt/Therapeut und Patient ist das System der Spiegelnervenzellen.
Professor Dr. Joachim Bauer, Oberarzt der Abt. Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin, Universitätsklinikum Freiburg
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Samstag, 27. Januar 07, 17 Uhr Runder Tisch
Abschlussdiskussion mit den Referenten der Tagung
*Dr. Manuela Lenzen, Professor Dr. med. Mechthild Papoušek, Professor Dr. Doris Bischof-Köhler, Professor Dr. Joachim Bauer, u.a.
Moderation: Pfarrer Helmut A. Müller *