Michael Weingarten: Ungerechtigkeit und Politik der Würde

Montag, 25. Mai 2020, 19:00 Uhr
STIFTUNG GEISSSTRASSE 7, STIFTUNGSSAAL, 1. STOCK

Die Literatur zum Thema Gerechtigkeit ist unüberschaubar. Dagegen wird die Erfahrung von Ungerechtigkeit nur spärlich behandelt, denn – so die dominierende Annahme – sie ergibt sich aus der Verletzung von Gerechtigkeits-Normen. Judith Shklar dagegen hat den Versuch unternommen, Erfahrungen von Ungerechtigkeit als berechtigt nachzuweisen ohne vorgängige Konzepte von Gerechtigkeit. Komplementär hierzu entwickelte Avishai Margalit Überlegungen zu einer „Politik der Würde“. Für die Art und Weise sowie die Berechtigung, wie wir als Bürger und Bürgerinnen unseres Gemeinwesens gegen politische Handlungen anderer Bürger und Bürgerinnen und erst recht gegen politische Entscheidungen staatlicher Akteure protestieren, sind die Konzepte von Shklar und Margalit grundlegend.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe

Aktive Bürgerschaft – Der Republikanismus als Stachel im Fleisch liberaler Gemeinwesen

Herrschte 1989 die Zuversicht, dass nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten weltweit das Zeitalter der liberalen Demokratie eingeleitet worden sei, erwies sich diese Erwartung sehr schnell als Illusion. Denn kein einziges der schon vor 1989 existierenden Probleme liberal-demokratischer Staaten erwies sich als gelöst. Im Gegenteil: Die Krise der Lohnarbeitsgesellschaft, die damit verbundenen Wirtschaftskrisen, die ökologische Krise verschärften sich und mit Kriegen und Fluchtbewegungen, wachsenden populistischen und rechtsextremen Bewegungen und entsprechenden Parteien kamen Probleme hinzu, auf die die Staaten bis heute politisch nur hilflos reagieren. Lesen Sie hier weiter.

Michael Weingarten moderiert und begleitet die Diskussion inhaltlich. Er studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Politik und Soziologie in Marburg und Frankfurt/Main. 1989 promovierte er in Philosophie zu Grundproblemen der Evolutionstheorie. Seit 1989 ist er Lehrbeauftragter im Fach Philosophie an der Universität Marburg. Von 1980 bis 1999 arbeitete er in der Arbeitsgruppe Kritische Evolutionstheorie am Forschungsinstitut Senckenberg. 2002 war er wissenschaftlicher Leiter des TheorieLabors an der Universität Jena. Bis 2019 war er Dozent für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium (EPG) als Teil des Lehramtsstudiums in Baden-Württemberg an der Universität Stuttgart.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte der Biowissenschaften, Hermeneutik und Sozialphilosophie.

Eine Veranstaltungsreihe der Stiftung Geißstraße zusammen mit dem Hannah-Arendt-Institut für politische Gegenwartsfragen Stuttgart

Bitte melden Sie sich an, da wir nur eine begrenzte Anzahl an Sitzplätzen haben. Wir bitten um Spenden für unsere Arbeit. Vielen Dank.