Irgendwie und irgendwo zwischen Politik und Wissenschaft

Der schwierige Ort des Intellektuellen

Mittwoch, 16. Oktober 2019, 19:00 Uhr
STIFTUNG GEISSSTRASSE 7, STIFTUNGSSAAL, 1. STOCK

Erst in den letzten Jahren seines Lebens versuchte Dahrendorf auch für sich selbst darüber klar zu werden, was ein Intellektueller sei. Dass es sich dabei um jemanden handelt, der in der Öffentlichkeit wirkt, ist unstrittig. Aber wie wirkt er? Kann er dies mit Verweis auf seinen Beruf als Wissenschaftler, verknüpft mit dem Anspruch auf Wahrheit oder doch unbestreitbarer Richtigkeit seiner Äußerung? Dann müssten alle mit anderen Berufen diese Äußerung einfach hinnehmen und akzeptieren. „Wissen“ und „bloßes Meinen“ fallen auseinander. Aber gibt es im Bereich der Politik, der politischen Auseinandersetzung denn überhaupt Wahrheiten? Und wenn nicht, müssen wir dann hinnehmen, dass jede beliebige Meinung von uns als Meinung akzeptiert werden muss? Oder gibt es eine Grenze, jenseits derer Meinungen als prinzipiell nicht akzeptabel zurückgewiesen werden können? Eine solche Grenze ist mit dem Problem der Freiheit markiert, sodass die Meinungen, durch die Freiheiten eingeschränkt, verletzt und missachtet werden, ihren Status als vertretbare Meinungen verlieren. Mit seinen Ausführungen zu dem Intellektuellen als einem „engagierten Beobachter“ sowie mit der exemplarischen Analyse bestimmter Intellektueller wie Erasmus von Rotterdam, aber auch Ernst Jünger versucht Dahrendorf Antworten zu geben, Antworten, die zugleich auch Bestimmungen seines Verständnisses von Freiheit beinhalten.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe

Vom öffentlichen Gebrauch der Vernunft

Gerade angesichts der Polarisierungs- und Extremisierungsprozesse weltweit, des Umschlagens emotional vorgetragenen Protests in Hass und Gewalt ist eine Diskussion der Vorschläge von Dahrendorf und Habermas, auch wenn sie in deutlich anderen Zeit-Kontexten mit anderen Problemlagen verfasst wurden, von hoher Aktualität. Dies gilt auch für den 1967 in Wien gehaltenen Vortrag von Theodor W. Adorno zu „Aspekten des neuen Rechtsradikalismus“. So antwortete Adorno auf die Frage, wie es mit dem Rechtsradikalismus weitergehen werde: „Wie diese Dinge weiter gehen und die Verantwortung dafür, wie sie weitergehen, das ist in letzter Instanz an uns.“ Im gemeinsamen Gespräch will die Veranstaltungsreihe diese Handlungsaufforderung aufgreifen und diskutieren, angeregt durch die drei Autoren und bezogen auf unser städtisches Gemeinwesen, Stuttgart. Lesen Sie hier weiter.

Michael Weingarten moderiert und begleitet die Diskussion inhaltlich. Er studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Politik und Soziologie in Marburg und Frankfurt/Main. 1989 promovierte er in Philosophie zu Grundproblemen der Evolutionstheorie. Seit 1989 ist er Lehrbeauftragter im Fach Philosophie an der Universität Marburg. Von 1980 bis 1999 arbeitete er in der Arbeitsgruppe Kritische Evolutionstheorie am Forschungsinstitut Senckenberg. 2002 war er wissenschaftlicher Leiter des TheorieLabors an der Universität Jena. Bis 2019 war er Dozent für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium (EPG) als Teil des Lehramtsstudiums in Baden-Württemberg an der Universität Stuttgart.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte der Biowissenschaften, Hermeneutik und Sozialphilosophie.

Eine Veranstaltungsreihe der Stiftung Geißstraße zusammen mit dem Hannah-Arendt-Institut für politische Gegenwartsfragen Stuttgart

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