„Aspekte des neuen Rechtsextremismus“

Aktualität und Grenzen von Adornos Analyse

Mittwoch, 13. November 2019, 19:00 Uhr
STIFTUNG GEISSSTRASSE 7, STIFTUNGSSAAL, 1. STOCK

Damals – 1967 – ging es um den Aufstieg der NPD, die nicht nur in viele Landtage eingezogen war, sondern auch gute Chancen hatte, in den deutschen Bundestag einzuziehen. Problemlos aber lassen sich Adornos Beschreibungen und Diagnosen aus diesem Zeitkontext herauslösen und für die Erklärung des Aufstiegs der AfD fruchtbar machen. Einerseits zeigt sich zwar die Erklärungskraft des vom Institut für Sozialforschung seit den 1940er Jahren in den USA entwickelten Konzepts der „autoritären Persönlichkeit“. Andererseits wird damit aber die Frage aufgeworfen, ob und inwiefern ein sozialpsychologischer Ansatz, der rechtsextreme Einstellungen als Charaktereigenschaften fasst, nicht insofern entpolitisierend ist, weil er anstelle einer vorrangig politischen Auseinandersetzung klinisch-pathologische Behandlungsvorschläge nahelegt. Deswegen werden im kritischen Vergleich Analysen von Ralf Dahrendorf mit herangezogen, der sich soziologisch und politisch sowohl mit dem Aufstieg der NPD wie auch mit den Extremisierungsprozessen nach 1989 beschäftigte.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe

Vom öffentlichen Gebrauch der Vernunft

Gerade angesichts der Polarisierungs- und Extremisierungsprozesse weltweit, des Umschlagens emotional vorgetragenen Protests in Hass und Gewalt ist eine Diskussion der Vorschläge von Dahrendorf und Habermas, auch wenn sie in deutlich anderen Zeit-Kontexten mit anderen Problemlagen verfasst wurden, von hoher Aktualität. Dies gilt auch für den 1967 in Wien gehaltenen Vortrag von Theodor W. Adorno zu „Aspekten des neuen Rechtsradikalismus“. So antwortete Adorno auf die Frage, wie es mit dem Rechtsradikalismus weitergehen werde: „Wie diese Dinge weiter gehen und die Verantwortung dafür, wie sie weitergehen, das ist in letzter Instanz an uns.“ Im gemeinsamen Gespräch will die Veranstaltungsreihe diese Handlungsaufforderung aufgreifen und diskutieren, angeregt durch die drei Autoren und bezogen auf unser städtisches Gemeinwesen, Stuttgart. Lesen Sie hier weiter.

Michael Weingarten moderiert und begleitet die Diskussion inhaltlich. Er studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Politik und Soziologie in Marburg und Frankfurt/Main. 1989 promovierte er in Philosophie zu Grundproblemen der Evolutionstheorie. Seit 1989 ist er Lehrbeauftragter im Fach Philosophie an der Universität Marburg. Von 1980 bis 1999 arbeitete er in der Arbeitsgruppe Kritische Evolutionstheorie am Forschungsinstitut Senckenberg. 2002 war er wissenschaftlicher Leiter des TheorieLabors an der Universität Jena. Bis 2019 war er Dozent für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium (EPG) als Teil des Lehramtsstudiums in Baden-Württemberg an der Universität Stuttgart.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte der Biowissenschaften, Hermeneutik und Sozialphilosophie.

Eine Veranstaltungsreihe der Stiftung Geißstraße zusammen mit dem Hannah-Arendt-Institut für politische Gegenwartsfragen Stuttgart

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