Finanzmärkte kollabieren, Arbeitsmärkte zerstreuen die Menschen rund um den Globus, ziehen sie an und stoßen sie ab – ganz nach Bedarf.
Einem verborgenen Gott gleich bestimmt der Weltmarkt unser gesellschaftliches Leben, die Form unserer Arbeit, die Ausrichtung unseres Denkens und Fühlens. Seine Segnungen, seine Krisen und katastrophalen Zusammenbrüche treffen uns immer unvorbereitet, und nur selten lernen wir daraus.
So taumeln wir, bald fasziniert, bald erschreckt durch das Labyrinth des riesigen Warenmarktes, der uns schnelles Glück verheißt, wenn wir uns seinen Fetischen unterwerfen. Die Dinge stellen sich über die Menschen und zwischen sie, denen das wiederum ganz natürlich scheint.
Die Stiftung Geißstraße 7 hat sich vorgenommen, Aspekte der Warenfaszination wie auch der verheerenden Kräfte des Marktes durch eine Reihe von Veranstaltungen zu beleuchten und mögliche Gegenstrategien zu diskutieren.

Foto: lyzadanger. Edit by Diliff
Die Reihe beginnt mit einem Gespräch zwischen dem Philosophen Wolfgang Fritz Haug und Johannes Milla von der Agentur Milla und Partner zum Thema
Dienstag, 5. Oktober 2010, 19 Uhr
Stiftungssaal, 1. Stock
Prof. Haug (Jg. 1936) hat durch sein bekanntes Buch „Kritik der Warenästhetik“(1971, Neuauflage 2009) das Denken einer ganzen Generation geprägt. Er unterhält sich mit Johannes Milla (Jg. 1961), dem erfolgreichen Ausstellungsgestalter und Kommunikationsfachmann (IdeenPark Stuttgart 2008, Deutscher Pavillon Expo 2010 in Schanghai).
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Dienstag, 16. November 2010, 19 Uhr
Stiftungssaal, 1. Stock
Der investigative Journalist hat es weniger aus Gründen politischer Unterdrückung, als vielmehr durch die strukturelle Entwicklung des Medienmarktes schwer. Redaktionen werden ausgedünnt, Printmedien werden unpolitisch, Hörfunk und Fernsehen, auch wenn die öffentlich-rechtlich finanziert werden, schielen nach der Quote wie die privaten nach dem Profit. Auf der Strecke bleibt die Aufklärung, die kritische Wahrnehmung des öffentlichen Interesses.
Die Autoren Josef-Otto Freudenreich, Meinhard Heck, Rainer Nübel und Susanne Stiefel haben immer wieder publizistische Attacken unternommen, um ihre Recherchen und Meinungen zum Publikum zu bringen.
Die Stiftung lädt sie ein, aus ihrem neuen Buch „Die Taschenspieler“ zu lesen und in eine Diskussion über die Zukunft der kritischen Meinung auf dem Markt einzutreten.
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Dienstag, 30. November 2010, 19 Uhr
Stiftungssaal, 1. Stock
Wenn die Gesundheit zur Ware auf dem Medizinmarkt wird, dann wird Krankheit zum Schicksal derer, die nicht bezahlen können oder deren „Reparatur“ sich „nicht mehr lohnt“. Die krisenhafte Entwicklung der Finanzierung des Gesundheitswesens lässt eine solche Tendenz befürchten. Wie man eine inhumane Marktlogik gerade in der Medizin vermeiden kann, darüber werden sich drei Fachleute unterhalten: Der Stuttgarter Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski, der qua Amt auch die Arbeitgeberinteressen der Kommune vertreten muss, Dr. Rolf Hoberg, Vorsitzender der AOK Baden-Württemberg und Dr. Thomas Böhm, Arzt am Stuttgarter Klinikum und aktiver Personalratsvorsitzender.
Dr. Martin Kilgus (SWR) moderiert die Diskussion.
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Dienstag, 22. März 2011, 19:30 Uhr
Stiftungssaal, 1. Stock
Nicht nur in Stuttgart haben aktive Bürger bewirkt, dass das Problem der Wasserversorgung als vordringlich erkannt wurde und die Rückholung aller Verfügungsrechte über die Wasserversorgung angestrebt wird. Wasser ist weltweit knapp, die UNO hat die Wasserversorgung zum Thema des Jahres erhoben.
Zum Weltwassertag am 22. März 2011 laden wir den Autor des Buches „Das Wasser-Syndikat“, Jens Löwe, zu einer Lesung mit Diskussion ein. Er ist freiberuflicher Künstler, Autor und Aktivist, lebt und arbeitet in Stuttgart, ist engagiert als Mitglied und Mitgründer des Stuttgarter Wasserforums und Mitgründer des bundesweiten Städtebündnis „Wasser in Bürgerhand“ (W!B) zur Rückabwicklung von Wasserprivatisierung.
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Weitere Veranstaltungen in dieser Reihe sind in Planung.