Am Freitag, 7. Dezember 2007, wird um 14.30 Uhr die Fritz-Wisten-Staffel eingeweiht.
Zu dieser Veranstaltung , die auf dem Baitinger-Areal hinter dem Gebäude Rotebühlstraße 177, 70197 Stuttgart stattfindet, sind Sie herzlich eingeladen.
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Sehr geehrter Herr Staatsschauspieler!
Wir teilen Ihnen ergebenst mit, dass bei der beabsichtigten Neuordnung der Verhältnisse am Württ. Landestheater nicht mehr die Absicht besteht, Ihren Vertrag zu erneuern.
Mit diesem lapidaren Schreiben wurde Fritz Wisten am 27. März 1933 nach zwölfjähriger erfolgreicher Theaterarbeit in Stuttgart auf die Straße gesetzt. Die Nationalsozialisten hatten es 1933 eilig, alle jüdischen Künstler aus Theater und Orchestern in Deutschland zu entfernen. Fritz Wisten arbeitete weiter – im Theater des Jüdischen Kulturbundes in Berlin inszenierte er Lessings Nathan. Nach dem Ende der Naziherrschaft leitete er erfolgreich das Theater am Schiffbauerdamm und die Volksbühne in Berlin. Dort förderte er junge Schauspieler, unter ihnen Armin Müller-Stahl und Michael Degen. In unserer Matinee am 9. Dezember erinnern Schauspieler des Ensembles und prominente Gäste an Fritz Wisten.
In Kooperation mit der Stiftung Geißstraße 7 und der Akademie der Künste, Berlin
Termine:
Sonntag, 9. Dezember 2007 um 11 Uhr – Schauspiel Staatstheater Stuttgart, Foyer
Kontakt:
Schauspiel Staatstheater Stuttgart
Oberer Schloßgarten 6
70173 Stuttgart
http://www.staatstheater.stuttgart.de/schauspiel_neu
Telefon: +49 (0)711 2032-0
Tickettelefon: +49 (0)711 20 20 90
Fax: +49 (0)711 2032-540
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Am 7. Dezember dieses Jahres machte sich ein Teil der Berliner Familie auf den Weg nach Stuttgart zu einer Ehrung von Fritz Wisten. Nach einem vergnüglichen Flug wurden wir am Nachmittag an der zukünftigen „Fritz-Wisten-Staffel“ vom Bürgermeister, von Professorten und Studenten der Universität und einem interessierten Kreis von Menschen sehr sehr herzlich empfangen.
Bürgermeister Murawski begrüßte die Töchter Susanne und Eva, und die angereiste Familie: Enkelin Renate Weyl mit Sohn David, Katrin Schindler, die Enkelin mit Ehemann Adrian Ochse, und Jan Schindler-Wisten, den Enkel aus Prag mit Ehefrau und Kleinstkind Sohn Max.
In einer sehr ausführlichen Würdigung ging Bürgermeister Klaus-Peter Murawski auf das Leben von Fritz Wisten ein und sparte auch nicht an Kritik an der Stuttgarter Nachkriegsgeneration. Die feierliche Enthüllung des Straßenschildes nach 74 Jahren des Schweigens, wurde nun von der Enkelgeneration initiiert. Ich bedanke mich im Namen der Familie beim Bürgermeister, bei Stadtrat Dr. Michael Kienzle, dem Literaturhistoriker Dirk Mende, den Studenten der Universität Hayat Erdogan und Christian Wadephul, und bei allen Mitarbeitern der Stiftung Geißstr. 7, die den Mut zu dieser Erinnerungsinitiative aufbrachten. Zur Erinnerung bekamen alle Beteiligten von uns eine Faltkarte mit Unterschriften der Familie und darin ein Original-Exlibris von Willi Baumeister für Fritz Wisten, um 1925 entworfen. Die Enkel und Urenkel fotografierten eifrig die feierliche Enthüllung.
Anschließend wurden wir vom Bürgermeister zu einer Kaffeerunde eingeladen, und wir hatten die Möglichkeit, mit allen Beteiligten in Gesprächen das Thema zu vertiefen und auch auf Ausgrenzungen kritisch in heutiger Zeit einzugehen. Erfreulich für mich, der politische Konsens mit unseren Gesprächspartnern.
Am Samstag besuchten wir die Stiftung Geißstr.7 am „Hans-im-Glück-Brunnen“ gelegen! – Das Haus, ein sehr schöner Altbau, das am 16. März 1994 durch einen fremdenfeindlichen Brandanschlag vernichtet wurde, 7 Menschen starben und 16 Menschen wurden verletzt, ist von einem Kreis von Helfern und Spendengeldern wieder vorbildlich aufgebaut worden und steht nunmehr sozialen und kulturpolitischen Aktivitäten zu Verfügung. Wir wurden von Dr. Kienzle dem Vorstand der Stiftung ausführlich über die Struktur und Aufgaben der Stiftung informiert. (www.geissstrasse.de)
Der Nachmittag stand uns zu Museumsbesuchen zur Verfügung, und in der Willi Bausmeister-Ausstellung „W.B. und seine Arbeit als Bühnenbildner“, fanden wir neben beeindruckenden Bühnenbildarbeiten auch Spuren von Fritz Wisten als Schauspieler in Stuttgart.
Auf dem Dach des ausgezeichneten Baus von den Architekten Hascher / Jehle – hatten wir einen herrlichen Blick über die Stadt.
Die Abende wurden mit ganzem anwesendem Familienkreis in gemütlichen Gaststätten verbracht.
Bei einer abendlichen Taxifahrt entdeckte Susanne plötzlich, dass wir gerade über eine Brücke fuhren, die den Namen von Otto Hirsch trug, einem Freund des Wisten aus den Jahren vor 1933.
Am Sonntagvormittag waren Susanne und ich schon in Spannung im Hinblick auf die Matinee im Staatstheater. Wird sie ebenso gut sein, wie vor einem Jahr im Theater am Schiffsbauerdamm? Werden nach so langer Zeit noch Menschen Interesse an der Person Fritz Wisten zeigen?
Wir waren die ersten Gäste im Foyer des Theaters. Langsam füllte sich erfreulicherweise der Raum. Dr. Wolfgang Trautwein, der Archivdirektor der Akademie der Künste Berlin kam, ebenso Herrmann Beil, der Chefdramaturg des Berliner Ensembles, die sich als Gastredner angesagt hatten.
Nach einer sehr informierten Begrüßungseinleitung des Intendanten des Schauspielhauses, Hasko Weber, wurde ein Filmausschnitt mit Fritz Wisten aus dem DEFA-Film „Das Beil von Wandsbeck“ gezeigt. Eine beeindruckende schauspielerische Leistung von F.W.
Es folgte die Laudatio von Dr. Trautwein über: Drei Leben für das Theater mit Würdigung auch von Trude Wisten und ihrem tapferen Verhalten in der Nazizeit. Danach las die Schauspielerin Renate Weyl, eine Enkelin, aus „Gedanken zu einer fernen Vergangenheit“, von Eva Wisten 1990 verfasst.
Herrmann Beil zitierte aus Dokumenten jener Zeit. Besonders kritisch vorgetragen Anwürfe und Beschimpfungen im „Völkischen Beobachter“ anlässlich einer Aufführung von „Schatten über Harlem“. Bemerkenswert: schon 1930 wurde Fritz Wisten auf Grund seiner jüdischen Abstammung diffamiert! Danach gestaltete der Schauspieler Philippi vom Stuttgarter Ensemble durch seine Ringerzählung aus „Nathan der Weise“ die Veranstaltung zu einem weiteren künstlerischen Ereignis.
Zum Abschluss konnte ich allen Beteiligen im Auftrag der Familie danken und habe nochmals die Bedeutung unterstrichen, dass es die Enkelgeneration ist, die diese Erinnerungsinitiative nach 74 Jahren ergriffen hat.
In der Kantine des Theaters fanden wir und zum Ausklang mit allen Beteiligten, sowie Gästen des Theaters ein. Begegnungen, Gespräche auch von Renate Weyl aus ihrer Stuttgarter Theaterzeit mit Kollegen, sowie Enkelin Katin Schindler-Wisten in ihrer Eigenschaft als Managerin vom Theater am Kurfürstendamm mit Kollegen, gaben genügend Gesprächsstoff. Auch meine Tätigkeit in diesem Haus wurde am Rand bemerkt!
Die Prager, Architekt Jan Schindler-Wisten mit Familie, per PKW, verabschiedeten sich, und auch die Berliner Familie trennte sich bald von vielen neuen Freunden in Richtung Flugplatz.
Im wackelnden LH Flug in Gedanken versunken an die schönen Tage der Erinnerung an den „großen Theatermann“, wie es eine Stuttgarter Zeitung in diesen Tagen schrieb, flogen wir in die Stadt zurück, die der Familie Wisten 1934 Heimat wurde. Der Urenkel David bewunderte aus dem Flugzeugfenster das große erleuchtete Berlin.