Die Macht des Wortes. Semantische Kämpfe in der Politik

Mittwoch, 18. Oktober 2017, 19:00 Uhr
Universität Stuttgart Hörsaal 11.62 (6. Stock), Keplerstraße 11, 70174 Stuttgart

Sprache in der Politik zielt darauf ab, Meinungen und Einstellungen der Adressaten zu beeinflussen und ein Bild der Wirklichkeit zu konstruieren, das den jeweils eigenen Interessen der politischen Akteure entspricht. Das wichtigste Instrument hierzu sind Wörter, die in der öffentlich-politischen Kommunikation Gegenstand semantischer Kämpfe werden können. Was heißt eigentlich soziale Gerechtigkeit, hat links etwas mit friedlich oder gewalttätig zu tun, sind es Flüchtlinge oder Geflüchtete, die abgeschoben oder rückgeführt werden? Inwiefern beeinflusst die Art und Weise, wie wir über politische Themen sprechen, unser Denken und damit unsere Handlungen?
Der Vortrag zeigt, welche kommunikativen Strategien politische Akteure anwenden und welche Facetten semantische Kämpfe aufweisen. Aus aktuellem Anlass wird dies insbesondere am Beispiel der Bundestagswahl 2017 gezeigt. Der Wahlkampf als ein für die parlamentarische Demokratie prägender Kampagnentyp stellt sich als Phase verdichteter Politik dar, in der sich kommunikative Strategien und semantische Kämpfe wie durch ein Brennglas beobachten lassen. Semantische Eskalierung (Steuerbetrüger, linke Saubande) und Deeskalierung (gemeinsam erfolgreich), Polarisierung und Vermeidung von Polarisierung („Anschlag auf die Demokratie“, Martin Schulz), Strategien der Besetzung von Schlagwörtern (soziale Gerechtigkeit) und sprachliche Vereinfachung sind dabei nur einige der im Vortrag vorgestellten sprachlichen Mittel, die typisch für politisches Sprachhandeln sind.

Prof. Heiko Girnth studierte Philologie, Philosophie und Vergleichende Sprachwissenschaft. Heute lehrt er an der Universität Marburg. Girnth veröffentlichte zahlreiche Publikationen zum Thema Sprache und Politik.

Unsere gesamten Veranstaltungen und die Projektbeschreibung finden Sie hier: Die Wucht der Worte

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