Zeichen der Erinnerung

an die Deportation von Menschen jüdischer Herkunft vom Stuttgarter Nordbahnhof

Der Innere Nordbahnhof in Stuttgart ist in den Jahren 1941 bis 1945 Ausgangspunkt zahlreicher Deportationen gewesen. Von hier aus wurden mehr als 2500 Juden aus Stuttgart und Umgebung in die Sammel- und Konzentrationslager Riga, I?bica, Auschwitz, Buchenwald, ins Ghetto Theresienstadt und in ein Lager bei Wolfenbüttel deportiert. Nur wenige Menschen überlebten die Deportationen oder die anschließende Lagerhaft.

Zum 60. Jahrestag der ersten von Stuttgart ausgehenden Deportation am 1. Dezember 1941, hat die Stiftung Geißstraße 7 ein Denkblatt zu diesem Thema der Stuttgarter Stadtgeschichte veröffentlicht. In der Auseinandersetzung mit den Deportationen vom Nordbahnhof und Bebauungsplänen der Stadt für das Gelände um die Gleisanlagen erwuchs die Erkenntnis, diesen Ort als Erinnerungsstätte an diese Ereignisse zu bewahren. Die Stiftung Geißstraße 7 initiierte daraufhin die Planung der Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“, die an die deportierten und ermordeten Juden erinnern soll. Sie schrieb einen internationalen Wettbewerb zur Gestaltung des Mahnmals aus. Teilnehmer waren Studierende und ihre Professoren aus Deutschland, Italien und der Schweiz. Im Mai 2002 wurde der Entwurf des Berliner Ehepaares Saß von der Jury prämiert.
Inzwischen hat die Stadt Stuttgart die Realisierung der Gedenkstätte am Inneren Nordbahnhof genehmigt und sich 2005 bereit erklärt, die Hälfte der Kosten zu tragen. Die Gedenkstätte soll im Sommer 2006 eröffnet werden. Weiterführende Informationen zur Gedenkstätte und zur Geschichte der Deportationen, sowie zu biographischen Daten der Opfer und Täter können unter www.zeichen-der-erinnerung.org abgerufen werden.

Im Rahmen des Projektes organisierte die Stiftung im September 2003 auch die Reise „Zug nach Theresienstadt“. Auf dieser Reise begleiteten verschiedene Künstler, Journalisten und Jugendliche aus der Region die beiden Zeitzeugen und Überlebeden Inge Auerbacher und Garry Fabian auf einer Zugfahrt von Stuttgart nach Theresienstadt. Diese Reise hat Michael Kienzle als Herausgeber im Buch „Zeichen der Erinnerung“ dokumentiert.
Ebenfalls im Jahr 2003 verlieh die Stuttgarter Bürgerstiftung der Stiftung Geißstraße 7 einen Anerkennungspreis für ihr Engagement im Rahmen des Projekts „Zeichen der Erinnerung“.

Inzwischen hat die Stiftung Geißstraße 7 das Projekt an den eigenständigen Verein „Zeichen der Erinnerung“ übertragen, dessen Vorsitz der Stuttgarter Architekturprofessor Ostertag und die Rechtsanwältin Breinersdorfer bilden, die beide schon lange an diesem Projekt beteiligt sind.

Die Gleisanlage auf dem Gelände der Gedenkstätte
Gedenkmauer am Denkmal

Zug nach Theresienstadt 2003

Zusammen mit vielen Kooperationspartner arbeitet die Stiftung Geißstraße 7 an der Errichtung eines „Zeichens der Erinnerung” bei den Gleisen des Inneren Stuttgarter Nordbahnhofs.

Das Zeichen soll erinnern an die Deportation von insgesamt über 2000 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die nach dem 1. Dezember 1941 vom Nordbahnhof auf verschiedenen Wegen an verschiedene Orte, darunter auch Theresienstadt, verschleppt und umgebracht wurden.

Im Jahr der 60. Wiederkehr dieser Mordaktion haben sich Studierende und Dozenten aus Italien, der Schweiz und der Bundesrepublik zu einem internationalen Workshop in Stuttgart getroffen, um an Ort und Stelle Entwürfe eines „Zeichens der Erinnerung“ zu erarbeiten. Diese Entwürfe wurden in weiterentwickelter Form einer Jury unter Vorsitz von Prof. Roland Ostertag am 4. Mai 2002 vorlegt, die über ihre Eignung zur Realisierung befand.

Wir möchten nun nicht nur ein bauliches Zeichen setzen. Sondern Menschen aus Württemberg und Stuttgart durch lebendige Anschauung zur Diskussion und zum Nachdenken über das Unbegreifliche bringen.

Sechzig Jahre nach der Wannseekonferenz zur „Endlösung“ (20.1.1942), sechzig Jahre nach der Ermordung der ca. 2000 deutschen Juden in Theresienstadt planen wir planen einen „Zug nach Theresienstadt- 2003“, der am 15. September 2003 von Stuttgart nach Theresienstadt fahren soll.

Nach einem informativen Veranstaltungsabend am 14. September 2003 in der Stiftung Geißstr. 7, werden wir am nächsten Morgen die Reise beginnen.

Die Reise soll mit dem Zug nach Möglichkeit exakt die gleiche Strecke von Stuttgart nach Theresienstadt nachfahren, die auch die Deportationszüge genommen hatten. Den schweren Weg der Stuttgarter Juden in einer Art Pilgerzug „er-fahren“ soll eine gemischte Gruppe von Menschen, darunter:

  • zwei Überlebende der Deportation, Inge Auerbacher und Garry Fabian
  • das Tübinger Figurentheater und das Teatron Theater aus Israel
  • die Stuttgarter Jugendräte
  • das Musikerduo Pipes and Phones

Anerkennungspreis für die Stiftung Geißstraße Sieben

Dezember 2003 – Die Bürgerstiftung hat neben dem ersten Preis, zwei zweite, drei dritte Preise, und vier Anerkennungspreise vergeben. Der erste Preis ist mit 5000 Euro verbunden, die zweiten Preise sind mit 1500, die dritten mit 1000 Euro dotiert.

Der erste Preis ging an das Eltern-Kind-Zentrum e.V. mit dem Projekt „Lebendige Nachbarschaft im Stuttgarter Westen“. Es ist aus einem vor 17 Jahren gründeten Mutter-Kind-Projekt entstanden. Heute arbeiten im Eltern-Kind-Zentrum rund 70 Ehrenamtliche mit.

Die beiden zweiten Preise erhielten der Kinderprag e. V. und die Deutsche Jugend aus Russland e.V. Stuttgart (DJR). Der Verein Kinderprag wurde für das Projekt „Erlebnisspielplatz Nord“ ausgezeichnet. Dank des Engagements entstand als Modellprojekt auf einer Brachfläche ein Spielplatz.

Der DJR sorgt mit seinem Patenschafts- und Mentorenprogramm für die soziale Integration straffälliger und gefährdeter Spätaussiedler und anderer Migrantenjugendlicher.

Die dritten Preise gingen an das Paracelsus-Gymnasium-Hohenheim, die Ehrenamts- initiativen der Alzheimer Beratungsstelle der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart e.V. sowie an das Freie Radio Stuttgart.

Im Gymnasium wurden mit Schüler-Lehrer-Eltern-Projekten die Schule als innovativer und fachübergreifender Lern- und Probierort erlebbar gemacht.

Die Ehrenamtsinitiative engagiert sich für demenzkranke und seelisch beeinträchtigte ältere Menschen und pflegende Angehörige.

Das Freie Radio wurde für seine Arbeit als selbstorganisierter, nichtkommerzieller Rundfunksender in Stuttgart ausgezeichnet.

Anerkennungspreise gingen an die Stiftung Geißstraße Sieben für das Projekt „Zeichen der Erinnerung“ als zeitgenössische Erinnerungsarbeit durch Vergegenwärtigung Stuttgarter Menschen jüdischer Herkunft, an das European Assembly of Turkish Academics Baden-Württemberg e.V. für das Projekt „Internationales Kinderfest – Nisan 23“, jeweils am 23. April auf dem Schlossplatz, an den Verein Exploratorium Kindermuseum Stuttgart & Region e.V. für das Projekt „Experimenta – Mitmachausstellungen für Kinder, Jugendliche und Familien“ und an die Evangelisch-Freikirchliche Baptistengemeinde Stuttgart e.V. für das Projekt „Winterspielplatz Bethelkirche“ als Indoorspielplatz für Kinder.