An der Hohenheimer Straße soll ein Platz nach Gerda Taro benannt werden
Stuttgart – Eine fast vergessene Tochter der Stadt wird wiederentdeckt. 71 Jahre nach ihrem Tod soll ein Platz an der Hohenheimer Straße nach der Stuttgarter Fotografin Gerda Taro benannt werden. Das Kunstmuseum plant eine Taro-Ausstellung.
Unser Kolumnist Joe Bauer besuchte im vergangenen Herbst New York und berichtete von einer Stuttgarter Spur: Das International Center of Photography widmete der hier geborenen Kriegsfotografin Gerda Taro ihre erste Retrospektive. Sie starb 1937 mit 26 Jahren im Spanischen Bürgerkrieg und wurde international berühmt als erste Fotografin der Welt, die an der Front gefallen ist.
Als Gerta Pohorylle (später einigt man sich auf die Schreibweise Gerda) wächst sie mitten in Stuttgart, in der Alexanderstraße 170a, auf. Mit 19 zieht die Tochter einer jüdischen Familie nach Leipzig um. Sie wird von den Nazis verhaftet und geht 1933 ins Pariser Exil. In Frankreich lernt sie ihren späteren Lebens- und Arbeitspartner kennen, den Ungarn André Friedmann, der sich danach Robert Capa nennt. 1936 reist das Paar nach Spanien, als Reporter dokumentieren sie die Schrecken des Bürgerkriegs.
In Stuttgart verliert sich nach ihrem Tod Gerda Taros Spur. Keine Gedenktafel erinnert heute an sie. Auch eine Straße, die, wie in Leipzig, ihren Namen trägt, sucht man vergebens. Dies soll sich nun ändern. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hat am Mittwoch einstimmig beschlossen, eine Grünfläche zwischen Alexanderstraße, Danneckerstraße und Hohenheimer Straße Gerda-Taro-Platz zu nennen. Der Vorschlag kam von Michael Kienzle, Stadtrat der Grünen. „Es ist der Versuch, eine wichtige Persönlichkeit wieder in die Stadt heimzuholen“, sagt Kienzle, der in der Alexanderstraße wohnt. Dies sei auch ein Motiv für seinen Vorschlag gewesen. „Eine so prominente Frau hat in der Nachbarschaft gelebt, und keiner erinnert sich mehr daran.“ Im Lauf des nächsten halben Jahres soll das Straßenschild aufgestellt werden.
Auch die Arbeiten von Gerda Taro werden in ihrer Heimatstadt jetzt entdeckt. Anlässlich ihres 100. Geburtstags plant das Kunstmuseum am Schlossplatz im Herbst 2010 eine große Taro-Schau. „Wir machen die Ausstellung auf jeden Fall“, sagt Marion Ackermann. Das Okay aus New York hat sich die Museumschefin bereits geholt. Sie denkt an eine „konzertierte Aktion“, an Zusammenarbeit mit einem Haus wie der Landesbibliothek. Dabei sollen Taros Stuttgart-Bezug sowie die Themen Emanzipation und Krieg im Vordergrund stehen.
Lange stand Gerda Taro im Schatten ihres Partners. Robert Capa erlangte bereits in Spanien Weltruhm. Gerda Taro wurde oft als Anhängsel des heute legendären Fotografen („Der fallende Milizionär“) wahrgenommen. Zu Unrecht. Wie Forschungen ergaben, veröffentlichte sie viele ihrer Bilder unter dem Markenzeichen Capa. Jetzt wird die so attraktive wie mutige und mondäne Frau gebührend gewürdigt. Nicht nur in New York, auch in ihrer Heimat.
Marko Belser, StN
04.06.2008 – aktualisiert: 04.06.2008 19:21 Uhr