La pequena rubita, hübscher Blondschopf, wurde sie genannt. Mit 27 Jahren dokumentierte Gerda Taro gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Robert Capa die Gräuel des spanischen Bürgerkriegs und bezahlte ihren Einsatz mit dem Leben. Die Stiftung Geißstraße ehrt die junge Stuttgarter Fotografin nun mit einem Denkblatt.
VON JAN PETER
Nordspanien im Spätsommer 1936, Bürgerkrieg. In den Schützengräben liegen die Truppen der republikanischen Regierung und kämpfen gegen die Faschisten General Francos. Dazwischen eine junge Frau. Geschminkt, frisiert und auf Stöckelschuhen flaniert sie an den Soldaten entlang, verdreht den Kämpfern den Kopf: Gerda Taro.
“Sie kokettierte gerne”, sagt die Taro-Biografin Irme Schaber. Doch die Gründe, die die junge Stuttgarter Fotografin nach Spanien trieben, waren ernsthafter Natur. 1933 flieht die Jüdin vor den Nazis ins Pariser Exil, lernt dort den jungen André Friedmann kennen, der sich später Robert Capa nennen wird und mit seinen Fotos von der Landung der Alliierten in der Normandie zu Weltruhm gelangt. “Taro und Capa waren Mitbegründer der modernen Kriegsfotografie”, weiß Schaber. Als am 17. Juli 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbricht, ist für die beiden jungen Fotografen klar: Sie wollen dabei sein. Wie viele andere junge Menschen der damaligen Zeit sehen auch Capa und Taro es als ihre Pflicht an, auf Seiten der Republik zu kämpfen und dem Faschismus Einhalt zu gebieten: Mit ihrer eigenen Waffe – der Kamera. “Revolutionsromantisch” seien Taros Fotografien, so steht es im Denkblatt der Stiftung Geißstraße.
An “bedeutende Stuttgarter, die in Vergessenheit geraten sind”, sollen die aufwändig gestalteten Bögen erinnern, sagt die Büroleiterin der Stiftung, Claudia Barth. So abenteuerlich wie ihr Lebenswandel waren auch die Umstände des Todes der Taro.
Als die deutsche Legion Condor im Juli 1937 spanische Städte bombardiert, steht Taro auf dem Trittbrett eines Verwundetentransports. Tiefflieger greifen an, Panik entsteht. Ein Panzer, der die Kolonne begleitet, rammt den Sanitätswagen und überrollt Taros Beine. Die Ärzte kämpfen um ihr Leben. Am nächsten Morgen die traurige Nachricht. Der hübsche Blondschopf ist tot.